Der Diamant
Der Diamant
Farbe: | farblos, gelb, braun, gelegentlich grün, blau, rötlich, schwarz |
Strichfarbe: | weiß |
Mohshärte: | 10 |
Spez. Gewicht: | 3,47 - 3,55 |
Spaltbarkeit: | vollkommen |
Bruch: | muschelig bis splittrig |
Kristalle: | (kubisch) vorherrschend Oktaeder, daneben Würfel, Rhombendodekaeder, Zwillinge, auch plattig |
Chemie: | C kristallisierter Kohlenstoff |
Transparenz: | durchsichtig |
Lichtbrechung: | 2,417 - 2,491 |
Doppelbrechung: | keine; häufig anomal |
Dispersion: | 0,044 |
Pleochroismus: | fehlt |
Fluoreszenz: | sehr unterschiedlich; farblose und gelbe Diamanten: meist blau; braune und grünliche Diamanten: häufig grün |
Den Namen bekam der Diamant von seiner Härte (gr. adamas: der Unbezwingbare). Es gibt nichts vergleichbar Hartes; deshalb ist er geradezu unvergänglich. Seine Schleifhärte ist 140 mal so groß wie die von Korund. Allerdings ist die Härte des Diamanten auf den einzelnen Kristallflächen verschieden. Darin liegt die Möglichkeit, Diamant mit Diamant (oder D.-Pulver, in dem ja - nach statistischer Wahrscheinlichkeit - jede verschiedene D.-Härte vorkommt) zu schleifen. Wegen der vollkommenen Spaltbarkeit bedarf es großer Vorsicht beim Fassen!
Sehr starker Glanz, dient dem geübten Auge als Erkennungsmerkmal gegenüber Imitationen. Gegen chemische Reagenzien ist er im allgemeinen unempfindlich. Nur Chromschwefelsäure verändert ihn bei 200° C zu Kohlendioxid. Hohe Temperaturen bewirken Ätzfiguren auf den Facettenflächen.
Für Röntgenstrahlen ist er im Unterschied zu diamantähnlichen Mineralien und Synthesen durchlässig. Seit den dreißiger Jahren ist erkannt, daß es beim Diamant auf Grund der Unterschiede im Absorptionspektrum, in der Fluoreszenz, in der elektrischen Leitfähigkeit und in der Spaltbarkeit verschiedene Typen gibt. Die Wissenschaft unterscheidet heute die Typen I a, I b, II a und II b. In der Praxis des Edelsteinhandels hat dies keine Bedeutung, wohl aber beim Schleifen.
Die optischen Effekte sind beim Diamant außerordentlich günstig; daher gilt er als König der Edelsteine und wird schon seit dem Altertum für Schmuckzwecke verwendet.
Diamantlagerstätten
Diamantlagerstätten
Diamanten gibt es auf primären und auf sekundären Lagerstätten. Bis 1871 wurden Diamanten nur aus Edelsteinseifen herausgewaschen. Durch Zufall entdeckte man in Südafrika die primären Vorkommen: vulkanische Durchschlagsröhren, Pipes (engl. "Röhren") genannt, die vom diamantführenden Muttergestein, dem Kimberlit (nach englischem Staatssekretär) erfüllt sind.
Der Diamant ist in großer Tiefe (vielleicht 80 km oder gar mehr) bei 1.100 - 1.300° C und sehr hohem Druck entstanden. Er gelangte durch Eruption in den Kraterröhren mit dem aufdringenden Kimberlit bis zur Erdoberfläche. In vielen Teilen der Welt gibt es Diamantlagerstätten. Besonders bevorzugt sind Afrika und Sibirien. Bis zum18. Jahrhundert kamen Diamanten gelegentlich aus Borneo, vor allem aber aus Indien. Unter diesen Diamanten befanden sich mehrere große Steine von historischem Wert. Heute ist die Produktion in diesen Ländern unbedeutend. Die ersten Diamantfunde auf dem südamerikanischen Kontinent waren 1725 in Minas Gerais / Brasilien, bei der heutigen Stadt Diamantina.
Die berühmteste und berüchtigste Pipe, die Kimberley-Mine, wurde von 1871 - 1908 ohne jede Maschine ausgeräumt. Hier entstand das von Menschenhand größte gegrabene Loch (Big Hole): an der Oberfläche 460 m im Durchmesser, Schachttiefe 1.070 m; heute bis zur Hälfte mit Grundwasser gefüllt. Insgesamt wurden hier 14,5 Millionen Diamanten-Karat (fast 3 Tonnen) gewonnen. Schließlich wurde sie wegen zu geringer Ergiebigkeit aufgegeben. Die südafrikanischen Pipe-Minen sind zum Untertagebau übergegangen, um eine Gefährdung durch herabfallendes Gestein zu vermeiden. Dabei wird zuerst ein Schacht neben dem Pipeschlot niedergebracht und von dort dann durch Querschläge das diamantführende Gestein in einem automatisierten Bruchsystem restlos abgebaut. Die dadurch entstehenden Hohlräume werden von nachsackendem taubem Gestein wieder zugefüllt. Bekannte Pipe-Minen in Südafrika sind Bultfontein-, De-Beers-, Dutoitspan-, Finch-, Jagersfontein-, Premier- und Wesselton-Mine.
1843 wurde in Bahia der braun-schwarze Carbonado entdeckt, ein mikrokristallines Diamant-Aggregat das wegen seiner hohen Zähigkeit in der Industrie gefragt ist. Eine überragende Stellung in Produktion und Handel hat Südafrika erlangt. Erster Diamantenfund 1867 im Quellgebiet des Oranje. Anfangs wurden nur Seifenlagerstätten ausgebeutet. Inzwischen sind 250 Pipes (aus der geologischen Formation der Kreidezeit) bekannt, von denen allerdings nur wenige diamantführend sind. Sie enthalten zuoberst ein toniges Gestein, das wegen der gelblichen Farbe yellow ground (Gelbgrund) genannt wird. Es ist das Verwitterungsprodukt des darunter befindlichen blue ground (Blaugrund), dem Kimberlit; nach der Zusammensetzung ein olivinreiches Vulkanitgestein, eine Peridotitart, im Zustand der Breccie.
Die Gewinnung der Diamanten erfolgt heute mit großem technischen Aufwand. Am einfachsten ist es beim yellow ground. Wegen des lockeren Gefüges können die Diamanten auf Grund ihres hohen spezifischen Gewichts unmittelbar ausgewaschen werden. Der Kimberlit dagegen muß erst in Gesteinsbrechern zerkleinert werden, bevor das Gesteinsmehl in Waschpfannen als Schlamm abzusondern ist, damit nur ein Konzentrat von Diamanten und anderen schweren Mineralien zurückbleibt. Die Auslese der Diamanten aus diesem Konzentrat, wurde ursprünglich von Hand getätigt, geschieht heute aber unter Ausnutzung der Haftfähigkeit des Diamanten zu allen fettartigen Substanzen automatisch. So bleiben von dem über fettige Rütteltische geleiteten Konzentrat die Diamanten schließlich auf einer Fettschicht hängen.
Andere Diamantenaussortierungen erfolgen durch elektrostatische Trennung, durch optische Auslese mittels Fotozellen oder unter Ausnutzung der Fluoreszenzerscheinungen bei Verwendung von Röntgenstrahlung.
Der Diamantgehalt der einzelnen Pipes ist sehr verschieden. Im Durchschnitt wird pro Tonne Muttergestein 1/2 Karat gewonnen. Bei einigen Vorkommen ist ein Abbau auch noch bei 1/5 Karat pro Tonne Gestein rentabel.
Neben den Pipes gibt es in Südafrika umfangreiche alluviale Lagerstätten. Sie rühren davon her, daß die Landoberfläche, die früher etwa 1.000 m höher lag, im Laufe der Zeit abgetragen wurde und damit auch die diamantgefüllten Pipes, die ja bis zur seinerzeitigen Erdoberfläche duchgestoßen waren, in ihren obersten Teilen ausgeräumt wurden. Die Diamanten wanderten mit dem Wasser und dem Flußschutt in andere Gebiete, mit dem Oranje sogar bis ins Meer. Dementsprechend gibt es sekundäre Lagerstätten in Flußtälern, alten Talterassen und, wie man seit 1926 weiß, sogar an der Atlantikküste in der einstigen Brandungszone.
Ein bedeutendes Diamantenland ist auch Südwestafrika. Bei Lüderlitz wurden 1908 die ersten Diamanten gefunden. Jetzt sind große Seifenlagerstätten am Rande der Namib bekannt. Hier müssen mit gewaltigem Maschineneinsatz die bis zu 30 m mächtigen Deckschichten erst abgeräumt werden, damit die darunter liegenden diamanthaltigen Schotter zu gewinnen sind.
Seit 1961 heben Spezialschiffe sogar Diamanten vom Meeresgrund. - Der Anteil an Schmuckdiamanten ist sehr groß. Vor wenigen Jahren ist auch die UdSSR zu den großen Diamantenproduzenten aufgerückt. Obzwar die ersten Diamanten schon 1829 im Ural gefunden wurden, blieben diese Lagerstätten ohne wirtschaftlichen Wert. Erst als 1949 bedeutende alluviale Vorkommen im östlichen Sibirien (Jakutien) und wenige Jahre danach auch zahlreiche Pipes entdeckt wurden, begann eine neue Ära. Mittlerweile ist der Abbau in vollem Gang. Etwa _ der Produktion sind Schmuckdiamanten.
Qualitätsbewertung der Diamanten
Nur etwa 20% aller Diamanten sind für Schmuckzwecke geeignet. Der Hauptteil wird in der Technik verwendet. Solche Industriediamanten sind für Bohrkronen, Fräsgeräte, Glaserwerkzeuge, Schleifscheiben wie auch in der wissenschaftlichen Anwendung bei Meßtechnik und Härteprüfung unentbehrlich.
Die Qualitätsbewertung der Schmuckdiamanten erfordert sehr viel Fachkenntnisse und Erfahrung. Berücksichtigt wird Farbe (colour), Reinheit (clarity), Schliff (cut) und Gewicht (carat). Diese vier "c" machen den Wert eines Diamanten aus.
Reinheitsgraduierung
Die Reinheit wird durch eingeschlossene Mineralien, Risse und Wachstumserscheinungen beeinträchtigt. Sie werden zusammenfassend als "Einschluß" (inclusion) bezeichnet, früher auch "Fehler" oder "Kohle" genannt. Als lupenrein gelten geschliffene Diamanten, die bei zehnfacher Vergrößerung mit einer Lupe keine Einschlüsse erkennen lassen. Die bei noch stärkerer Vergrößerung festgestellten Mängel werden bei der Graduierung nicht berücksichtigt. - International gilt die graduirung nach CIBJO.
Schliffgraduierung
Die Beurteilung berücksichtigt Schlifform und Schlifftyp, Proportionen, Symmetrie sowie äußere Merkmale. - Nachfolgende Tabelle: Benennung und Definition der Schliffgraduierung für Brillanten unter 1 Karat.
Farbgraduierung
Farbgraduierung
Diamanten gibt es in allen Farben. Am häufigsten sind gelbliche Töne; sie werden mit den farblosen Diamanten bei der Graduierung zusammen beurteilt. Seltenere, volle Farben (grün, rot, blau, purpur, braun, gelb), sog. Phantasiefarben (fancy diamonds), erzielen Liebhaberpreise.
Von anfänglich verschiedenen Begriffen und Definitionen verwirrt, gibt es jetzt eine internationale Übereinstimmung in der Farbgraduierung, die sog. Gelb-Reihe, auch "Old-Terms" genannt - Vor wenigen Jahren verwendete man noch die Bezeichnung "Jager", die über ?River? stand und die allerfeinsten Qualitäten kennzeichnen sollte. Heute weiß man, daß hier gewisse Unterschiede nicht in der Farbqualität zu suchen sind, sondern in Fluoreszenzerscheinungen.
"River", hat einen nur für den Fachmann erkennbaren zarten Hauch von Blau, dem ungeübten Auge erscheinen diese Steine farblos. "Yellow" ist eine nur schwach getönte Farbe und nicht etwa gesättigt, sonst würde man sie den Phantasiefarben zuordnen. Der Anteil von "River" an den Schmuckdiamanten liegt unter 1%, der von "Top Wesselton" bei 5% und der von "Wesselton" bei 10%. Eine Farbdifferenzierung der Diamanten nach der Gelb-Reihe ist für einen Laien nicht möglich, da selbst der Fachmann Farbuntersuchungsgeräte modernster Technik verwendet, um jede subjektive Beurteilung auszuschließen.
Benennung | Definition |
Sehr gut (very good) | Hervorragende Brillanz. |
Gut (good) | Gute Brillanz. |
Mittel (medium) | Brillanz gemindert. |
Gering (poor) | Brillanz erheblich gemindert. |
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